Warum der Landesvater in Greifswald seine Berechtigung hat

Greifswald. Der Monat November ist jener Monat, der nicht nur für die Deutschen ein Schicksalsmonat ist, sondern auch für die Alemannia. Denn vor 124 Jahren gründete sich am 29. November 1891, nach dem Hochamt in der Greifswalder St. Josephs Kirche, die im November 1871 benediziert wurde, in der Gaststätte Normandie die CV-Verbindung Alemannia. „Vom Fels zum Meer!“, war das damalige Motto der Greifswalder Gründungsburschen. Im hohen Norden am Bodden sollte die Alemannia im Sturme (des Akademischen Kulturkampfes) Sicherheit für die katholischen Studenten bieten. Schnell zeigte, sich das die Boddenstadt der richtige Standort für die Gründung einer Verbindung war. Mit einer Vielzahl Greifswalder Verbindungen, bis zu 40 waren es damals, und den in Greifswald immer wieder für eine gewisse Zeit studierenden Cartellbrüdern, waren gute Voraussetzungen gegeben, hier eine katholische und farbentragende Verbindung zu gründen. Katholischen Studenten sollte so ein weiterer couleurstudentischer Anlaufpunkt, neben der KV Normannia geben werden. Doch nicht nur auf dieses Grundfundament aus dem Cartell konnten sich die frühen Alemannen verlassen, sondern auch auf eine gewisse Anzahl an Studenten aus Schlesien und Westdeutschland, die ihre zweite Heimat am Bodden und in der Alemannia fanden. Das Studentenleben in Greifswald florierte und auch die Alemannia entwickelte sich prächtig und wurde zeitweise als „Gelbe Gefahr“ tituliert. Nebenbei engagierten sich die Alemannen auch im Cartellverband uns stellten den Vorort. Obwohl die Verbindung in ihrer ersten Satzung nur die Prinzipien Religio, Scientia und Amicitia erwähnte, war schnell klar, dass die Alemannen auch einen gewissen Hang zum heutigen vierten wichtigen Grundprinzip der Patria hatten. Bereits vor der Jahrhundertwende fand sich das Prinzip der ‚Vaterlandsliebe‘ bei der Alemannia wieder. Es kommt nicht von ungefähr, dass der Cartellverband das Patria-Prinzip während des Alemannischen Vorortes als viertes Prinzip aufgenommen hat.

symbolfoto_couleurkarte1Doch genug der Alemannischen Gründungsgeschichte, weiter mit dem Deutschen Monat November, der sogar noch stärker konkretisiert werden kann, nämlich auf den wie so oft bezeichneten „Schicksalstag der Deutschen“, den 9. November. Mit diesem Datum lässt sich in der Deutschen Geschichte viel verbinden, doch an dieser Stelle sollen einige spezielle Ereignisse hervorgehoben werden. Am 9. November 1918 kommt es in Berlin zur Ausrufung der Deutschen Republik durch Philipp Scheidemann, und einige Stunden später durch Karl Liebknecht zur Ausrufung der freien sozialistischen Republik Deutschlands. Der Kaiser wurde entmachtet und eine junge Deutsche Demokratie entstand. Bereits einige Jahre später am 9. November 1923 machen sich erste Anzeichen bemerkbar, in welche düstere Zeit Deutschland schliddern würde, es kommt zum Hitler-Ludendorff-Putsch in München, der jedoch scheitert. Zum ersten Mal wird der aufflammende Nationalsozialismus wahrgenommen. Im Januar 1933 erfolgt die Machtergreifung durch Hitler, und damit ebenfalls das Ende der Deutschen Demokratie. Fünf Jahre später, am 9. November 1938 kommt es dann zur Reichsprogrammnacht. In dieser sogenannten Reichskristallnacht findet der Nationalsozialistische Judenhass einen ersten Höhepunkt, der jedoch nicht annähernd den Verbrechen des zweiten Weltkrieges das Wasser reichen kann. Diese Ereignisse markieren den Übergang von der sozialen Ausgrenzung und Diskriminierung zur offenen Verfolgung der Juden in der Diktatur des Nationalsozialismus. Und auch der Nationalsozialismus bedeutet das Ende der Alemannia, die sich im März 1936 auflöste. Nachdem Ende des Zweiten Weltkrieges, war Deutschland, Europa und die Welt zweigeteilt. Eine Wiederbegründung der Alemannia in der SBZ nicht mehr möglich. Und doch erblühte die Alemannia, die sich mit den bescheidenen Farben des Stiefmütterchens ziert, seit 1947 in Münster neu. Und auch in Greifswald konnte im Schutze der KSG bereits 1983 eine Neugründung wieder geschehen. Grenzenlos war der Jubel als 1989, und ebenfalls wieder am 9. November die Mauer fiel. Deutschland war wieder eins, und auch die Alemannia wurde wieder eins. Schon im November 1989 war es Greifswalder Alemannen die Bundesbrüder im Westen zu besuchen. Der 9. November ist somit auch ein Schicksalstag für die Alemannia. Ein Tag der jetzt schon 25. Jahre zurückliegt. Und so kam es, dass sich am 9. November 2014 vierzehn Greifswalder Bundesbrüder im Kneipsaal der Alemannia versammelten, um auf diesen besonderen Tag, den 9. November 1989, den Fall der Berliner Mauer einen Landesvater zu stechen. Der Senior Jonas Schwade hielt eine wahrlich starke Rede über die Einheit, aber auch die besonderen, oftmals nicht so freudigen Ereignisse der Deutschen Geschichte.