Vortrag zum Europäischen Menschenrechtsschutz
Geschrieben von: Carsten Schönebeck   
Montag, den 14. Juni 2010 um 19:47 Uhr

Anfang Juni konnten die Greifswalder Alemannen den ehemaligen Richter am Europäischen Gerichtshof für Menschenrechte (EGHM) Cartellbruder Professor Dr. Dr. Dr. h.c. Georg Ress (Sv) begrüßen.

Professor Ress während seines VortragsProfessor Ress hatte sich bereit erklärt für uns einen Vortragsabend zum Thema „Der europäische Menschenrechtsschutz zwischen Erfolg und Illusion“ zu gestalten. Ein Thema, dass auch in Deutschland ob aktueller Fälle in den letzten Jahren große Beachtung in den Medien fand. Um dem Vortrag die standesgemäße akademische Aura zu verleihen, entschieden wir uns an der Universität um einen Raum zu bitten. So konnte Cartellbruder Ress seinen Vortrag am 7. Juni im kürzlich sanierten Auditorium Maximum halten.

Der Vortrag gab den Alemannen und ihren Gästen einen interessanten Einblick in die Arbeit am EGHM, der auch für die Studenten anderer Fachrichtungen als der Juristerei nachvollziehbar und verständlich war. “Der europäische Menschenrechtsschutz ist ein Opfer seines Erfolges geworden”, erklärte Ress, “denn der Europäische Gerichtshof in Straßburg ist nicht mehr in der Lage, die Zahl der eingehenden und anhängigen Beschwerden zeitgerecht zu erledigen.” Beim EGMR, dessen 47 Richter von den Mitgliedsstaaten des Europarates entsandt werden, sind derzeit mehr als 120.000 Verfahren anhängig.

Anhand vieler Beispiele erläuterte Ress die Auslegung und Anwendung der Europäischen Menschenrechtskonvention über die letzten 60 Jahre und die auftretenden Probleme die sich unter anderem aus der langen Dauer der Verhandlungen ergeben.
Er betonte allerdings den Einfluss des Gerichtshofes innerhalb des Europarates: „Einer Resolution innerhalb dieser Institution kann sich kein Staat mittelfristig widersetzen, dafür ist Europa zu eng miteinander verwoben.“

ress_mit_hoerern-250x226-carsten_schoenebeckDer Theorie, die Verletzungen der Grundrechte würden im Wesentlichen von einigen wenigen Staaten begangen, widersprach er deutlich: „Auch wenn die meisten Klagen gegen Russland geführt werden: Musterschüler unter den Ratsmitgliedern gibt es nicht.“
Er lobte allerdings den Menschenrechtsschutz der Europäer als „historisches Erfolgsmodell“, auch wenn man künftig vom Anspruch der Einzelfallgerechtigkeit abrücken müsse. „Der Gerichtshof setzt  viel mehr Standards für die Entwicklung und Angleichung der nationalen Rechtsordnung und zur Behebung gravierender Ungerechtigkeiten.”

Im Anschluss an den Vortrag ging es dann aufs Alemannenhaus, wo noch die Gelegenheit zum persönlichen Gespräch mit dem Referenten lockte. Cartellbruder Ress ließ es sich dort (wie auch schon im Vorfeld des Vortrags) nicht nehmen, für eine Mitgliedschaft im Cartellverband zu werben. Alle Anwesenden durften einen spannenden Vortrag und interessante Gespräche im Kreise der Alemannia erleben. Wir danken Cartellbruder Ress, der für uns auch die weite Anreise aus Saarbrücken nicht scheute!

Fotos: Carsten Schönebeck

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Anfang Juni konnten die Alemannen den ehemaligen Richter am Europäischen Gerichtshof für Menschenrechte (EGHM)Cartellbruder Professor Dr. Dr. Dr. h.c. Georg Ress (Sv) begrüßen.

Professor Ress hatte sich bereit erklärt für uns einen Vortragsabend zum Thema „Der europäische Menschenrechtsschutz zwischen Erfolg und Illusion“ zu gestalten. Ein Thema, dass auch in Deutschland ob aktueller Fälle in den letzten Jahren große Beachtung in den Medien fand.

Um dem Vortrag die standesgemäße akademische Aura zu verleihen, entschieden wir uns an der Universität um einen Raum zu bitten. So konnte Cartellbruder Ress seinen Vortrag am 7. Juni im kürzlich sanierten Auditorium Maximum halten.

Der Vortrag gab den Alemannen und ihren Gästen einen interessanten Einblick in die Arbeit am EGHM, der auch für die Studenten anderer Fachrichtungen als der Juristerei nachvollziehbar und verständlich war. “Der europäische Menschenrechtsschutz ist ein Opfer seines Erfolges geworden”, erklärte Ress, “denn der Europäische Gerichtshof in Straßburg ist nicht mehr in der Lage, die Zahl der eingehenden und anhängigen Beschwerden zeitgerecht zu erledigen.” Beim EGMR, dessen 47 Richter von den Mitgliedsstaaten des Europarates entsandt werden, sind derzeit mehr als 120.000 Verfahren anhängig.

Anhand vieler Beispiele erläuterte Ress die Auslegung und Anwendung der Europäischen Menschenrechtskonvention über die letzten 60 Jahre und die auftretenden Probleme die sich unter anderem aus der langen Dauer der Verhandlungen ergeben.

Er betonte allerdings den Einfluss des Gerichtshofes innerhalb des Europarates: „Einer Resolution innerhalb dieser Institution kann sich kein Staat mittelfristig widersetzen, dafür ist Europa zu eng miteinander verwoben.“

Der Theorie, die Verletzungen der Grundrechte würden im Wesentlichen von einigen wenigen Staaten begangen, widersprach er deutlich: „Auch wenn die meisten Klagen gegen Russland geführt werden: Musterschüler unter den Ratsmitgliedern gibt es nicht.“

Er lobte allerdings den Menschenrechtsschutz der Europäer als „historisches Erfolgsmodell“, auch wenn man künftig vom Anspruch der Einzelfallgerechtigkeit abrücken müsse. „Der Gerichtshof setzt  viel mehr Standards für die Entwicklung und Angleichung der nationalen Rechtsordnung und zur Behebung gravierender Ungerechtigkeiten.”

Im Anschluss an den Vortrag ging es dann aufs Alemannenhaus, wo noch die Gelegenheit zum persönlichen Gespräch mit dem Referenten lockte. Cartellbruder Ress ließ es sich dort (wie auch schon im Vorfeld des Vortrags) nicht nehmen, für eine Mitgliedschaft im Cartellverband zu werben. Alle Anwesenden durften einen spannenden Vortrag und interessante Gespräche im Kreise der Alemannia erleben. Wir danken Cartellbruder Ress, der für uns auch die weite Anreise aus Saarbrücken nicht scheute!